Organisatorisches

RESPEKT VOR GEFÜHLEN

Als du bei uns ankamst, zeigte schon die Ouvertüre, mit der du vor neun Jahren das Konzert deiner Gefühle eröffnet hattest, was auf uns alle zukommen wird. Es waren nicht nur deine verzweifelten Schreie, die um 24h die Nacht erfüllten, als die Tierschützerin dich vor unserer Haustür aus dem Auto hob. Du zeigtest auch eine komplette Verwirrung deiner Gefühle, als du deine Zwillingsschwester Hannah, die du ein Jahr lang schmerzlich vermisst hattest, wahrnahmst. Hätten wir dich gelassen, hättest du sie in deiner blinden, verzweifelten Überforderung mit den auf dich einprallenden Sinneseindrücken und deinen damit verbundenen Emotionen aufs Schärfste angegriffen. Es war sofort klar, dass wir alle sehr viel Energie, Zeit und vor allem Liebe und Klarheit aufbringen werden, um für dich und uns ein angenehmes Leben zu erschaffen. Es war ein langer, langer Weg, mein Mädchen, der sowohl Irrwege beinhaltete, als auch zermürbende Ratlosigkeit. Wir alle sind diesen Weg gegangen, – wir mit dir, du mit uns. Aus tiefstem Herzen dankbar bin ich dir für diese Reise in die versteckten, dunklen Pfade deiner Seele, die sich – wie kann es anders sein – in den vergangenen neun Jahren als unverzichtbare Anteile meines eigenen Lebensweges zu erkennen gaben.

Ein kleines Beispiel des gestrigen Tages dafür, wo wir heute stehen, möchte ich für dich und mich und für Menschen, die mit ihrem Tier vor einem scheinbar unlösbaren Rätsel stehen, heute rekapitulieren. In unserer Mittagspause machten wir beide uns auf den Waldweg hinter unserem Häuschen. Ursprünglich hatte ich vor, dich ein paar von den kleinen Leckereien, die ich für diesen Zweck mitgenommen hatte, suchen zu lassen. Doch schon nach den ersten Metern hautest du abrupt die Bremse rein. Mitten auf dem Weg bliebst du sitzen wie ein Fels. Urplötzlich warst du in einer inneren Leere gelandet, die es dir unmöglich machte, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Leider hat das Leben dich nicht nur mit augenlosen Augenhöhlen ausgestattet, sondern auch mit den Genen eines Meutejagdhundes. So wurde in den Zeiten vor deiner enormen seelischen Entwicklung ausgenommen jeder Spaziergang zu einer Odyssee für dich und mich. Denn wir leben im Wald und die Gerüche der Wildtiere ließen bei jedem Schritt dein Gehirn Samba tanzen. Gestern aber hatte sich gezeigt, wie reif dein Gehirn und deine Seele heute sind. Du ließest zu, dass ich deine innere Leere wahrnehme. Alleine das war ein großer Fortschritt. Was hatte ich nun zu tun? Anders gefragt, was hätte ich getan, wäre mir der Grund und dein Zustand nicht bewusst, hätte ich ihn nicht in mir selbst nachfühlen können? Ich hätte dich wahrscheinlich versucht, mit den Leckereien zum Weiterlaufen zu animieren. An dieser Stelle sei nebenbei erwähnt: Dass „einfach Weiterlaufen und den Hund mitziehen“ und diverse andere Ratschläge, die einem Hundehalter in solchen Fällen gegeben werden, sich hier als kontraproduktiv und entwürdigend erweisen, erklärt sich von selbst. Aber zurück zu dir und mir und gestern: Du saßest wie ein Fels, ließest mich deine innere Leere wahrnehmen. Dann fühlte ich, dass du gerade ein Gefühl in dir wahrnahmst, welches du nicht einordnen konntest. Während ich gut geerdet und gelassen bei mir blieb, schuf ich für dich mental einen geschützten Raum. Nun führte ich dich behutsam in deinen inneren Raum hinein, damit du den Gedanken finden konntest, der dieses für dich undefinierbare Gefühl ausgelöst hatte. Endlich, nach einigen Minuten, konntest du ihn erkennen. In Menschensprache würde er ungefähr so lauten: „Ich bin tief in mir drin traurig, weil ich nicht sehe, was ich rieche.“ Wow!! Mein Schatz, welch eine Entwicklung! Statt voller Wut in den Wald zu kreischen: „Kommt alle her, ich töte euch, bevor ihr mich tötet!!!“, stellst du dich dem Gefühl dahinter: Traurigkeit. So verweilten wir beide ruhig nebeneinander. Du lebtest deine Traurigkeit und ich hielt den schützenden Raum für dich aufrecht. Ich fühlte deine Traurigkeit mit ohne die geringste Spur von Mitleid. Denn auch das wäre eine respektlose Reaktion. „Ja, mein Schatz. So ist das. Du riechst die Tiere und du siehst sie nicht. Und nein, das ist nicht nur schlimm, das ist absolute Oberscheiße! So ist das und das können wir nicht ändern. Lass dir Zeit für dein Traurigsein.“

Warum konnte ich an dieser Stelle so mit dir reden? Weil du in den vergangenen Jahren durch unsere gemeinsame innere Arbeit erkannt hast, dass du genau wie du bist, ein toller Hund bist. Du bist dir deiner Ressourcen und Persönlichkeit bewusst. Du weißt, dass du von uns in der Familie geachtet und geliebt bist. Und du weißt, dass du als Coaching-Assistentin einen hervorragenden Job machst. Ein paar wenige private Menschenfreunde hast du auch. Aber gestern warst du eben in diesem einen Moment traurig. Es tat dir gut, dass ich dein Gefühl ernst nahm, bestätigte und vor allem, dass ich dein Halt war. Wir hatten uns klar dafür entschieden, dass du jetzt traurig bist. Punkt. Nach einer Weile wurde dein Körper weich. „Bin fertig mit traurig. Lass uns nach Hause gehen.“, wären in etwa deine Worte gewesen, wärest du ein Menschenkind. Ich musste mich sehr zusammenreißen, um nicht schallend zu lachen. Aber ich gebe zu, dass ein Lächeln durch mein Herz huschte, was dir natürlich nicht verborgen blieb. Den Rest des Tages verbrachtest du schlafend. Das war eine riesengroßer Schritt, den du da gemacht hast und kostet sehr viel Energie. Essen, Trinken, Schlafen, Speichern…..das war jetzt dran.

Du wirst – je nach körperlicher und mentaler Verfassung und den äußeren Umständen – ganz sicher wieder deine Traurigkeit in der alten Form der Wut ausleben, da mache ich mir keine Illusionen. Das ist aber auch vollkommen unwichtig. Wichtig für dich ist, dass du dir selbst wieder ein Stückweit nähergekommen bist. Das ist, was zählt, mein nicht mehr immer lautes Mädchen mit dem zarten Herzen. Danke, dass du bei uns bist.

 

Claudia M. Struwe

 

Maina

Die Jagdhündin ohne Augen. Der Grund für einige gekündigte vermeintliche Freundschaften. Weil ich mich für dich entschieden habe, damals vor neun Jahren.

Nein, ich wusste nicht, was auf mich zukommen wird. Aber ich wusste, dass du zu uns gehörst. Zu mir, zu Lusy, Simon und Lotte, vor allem zu deinen ebenfalls blinden Geschwistern Hannah und Jack. Dass du ein ganz besonderes Mädchen bist, wusste ich. Dass ich viele Jahre lang ca. fünfzehn Mal nachts mit dir nach draußen gehen werde, dass du zu so Vielem nicht in der Lage sein würdest, was dir dein Leben angenehmer machen könnte, das wusste ich damals noch nicht. Ich hatte keine Ahnung, was Deprivation in frühester Kindheit und zusätzlich während der Pubertät mit dem Gehirn eines Säugetieres macht. (Inzwischen bin ich durch die anschauliche Aufklärung von @Robert Mehl schlauer. An dieser Stelle möchte ich seine Aufklärungsarbeit u.a. durch Webinare und sein Buch „Die Psyche des Hundes“ jedem Hundemenschen wärmstens empfehlen.) Hätte ich gewusst, wie sehr mein Leben sich durch dich ändert, hätte ich nicht anders gehandelt. Immer noch lerne ich durch dich dazu. Erst lernte ich, lauthals jeden anzugehen, der dich als aggressiv und dumm bezeichnete. Ich lernte damit umzugehen, wenn man mir Unfähigkeit, einen Hund zu erziehen, nachsagt. Du bist nun mal keine Sitz-Platz-Fuß-Untergeordnete. Das ist keiner meiner Hunde. Heute kann ich dank dir die Menschen, die uns nicht erkennen, in ihrer Welt lassen. Täglich bin ich mir tiefer der Dankbarkeit bewusst, dass du mit mir und uns dein Leben verbringst. Inzwischen fast elfjährig und nicht mehr ganz gesund, genießt du es in vollen Zügen, mit mir zusammen deine Beute (Nassfutter) zu jagen und zu „erlegen“. Deine Freude und Spannung, was wir dieses Mal machen werden, sobald ich dir dein Geschirr anlege und du dein Futter in meiner Hand riechst, macht mich glücklich. Da kannst du das sein, was deine Gene dir vorgeben: Jagdhündin. Ganz sicher nicht nach allen Regeln der „Kunst“ und schon gar nicht nach den üblichen Vorschriften. Denn dafür reicht deine Aufmerksamkeitsspanne nicht aus. Aber wir haben Spaß. Ja, ich habe meine Lebensstruktur nach euch allen ausgerichtet, am meisten nach dir, weil du die mit den stärksten Bedürfnissen bist. Keiner von euch kommt zu kurz und ich am wenigsten, weil ich durch euch so viel lernen und erleben darf. Was du ganz sicher nicht bist: „Dankbarer Tierschutzhund.“ Selbst während ich dies schreibe, muss ich grinsen. Du bist dir deiner selbst bewusst und im Hier und Jetzt sehr präsent. Und genauso liebe ich das Sein mit dir, – liebe ich dich -, mein starkes Mädchen mit dem zarten Herzen. Wie du dir deiner selbst bewusst bist, bin es auch ich. Ich sehe dich bis auf den Grund deiner Seele, ich nehme dich an mit allem, was du bist, ich führe dich klar und liebevoll durchs Leben. Auch wenn ich dir schon manches Mal körperlich weh tun musste, um deine Wunden zu versorgen, die du dir durch dein stürmisches Temperament zugezogen hast: Du kannst dich, wie die anderen auch, auf mich verlassen. Und dein tiefes Aufatmen während ich diese Worte schreibe zeigt mir, wir sind auf dem richtigen Weg, mein kleines Pumuckelchen.

Mein Blick auf euch (inzwischen noch) drei zufrieden schlafenden Schätze lässt auch mich tief aufatmen, während ich darüber nachdenke, was wir morgen Schönes zusammen anstellen werden.

 

Ihr Lieben,

aus meinem Kurzurlaub heraus möchte ich heute am 1.1.2025 unsere kleine Geschichte der Silvesternacht mit euch teilen. Wie ihr euch denken könnt, macht nicht einmal im Wald die Selbstsucht mancher Menschen Pause zugunsten der Tierwelt. Nein, es muss geböllert werden, ungeachtet der Auswirkungen auf Wild- und Haustiere. Dies zu vertiefen, ist hier nicht Thema, wohl aber ist diese Situation durchaus stellvertretend für sehr viele Situationen, mit denen uns unsere Mitwelt herausfordert, vor allem in den letzten Jahren – energetisch, persönlich, spirituell.

Polly, die meisten von euch kennen die schwarzbraune personifizierte Güte auf vier Beinen, die im März 2023 zu uns kam, litt im vergangenen Jahr schwer unter dem Silvesterlärm. Aufgrund der Abwesenheit einiger Hauptakteure in Sachen Silvesterlärm bestand Grund zur Hoffnung, dass sie die letzte Nacht des Jahres 2024 besser überstehen würde. Die Hoffnung ging flöten; bzw. „krachen“. Während die blinde Krawallmaus Maina nach vergeblichem Verbellen der Kracher entschied, es den Katzen und Kaninchen nachzumachen und in friedlichen Schlaf zu fallen, zitterte ihre Schwester in sich hinein. Still machte Hannah dicht und alle in ihrem Körper befindlichen weichen Strukturen wurden bretthart. Polly drehte sich hechelnd im Kreis und zeigte die üblichen panischen Verhaltensweisen, die man so kennt. Meine mit jedem Knallen und Zischen aufsteigende Wut (ich habe noch nie mein Pfälzer Temperament geleugnet) machte das Ganze nicht besser! Hannahs stille Verzweiflung und Pollys Panik wurde durch meine Stimmung um ein Vielfaches potenziert. Plötzlich legte sich in mir ein Schalter um. Was lebe ich denn seit guten fünf Jahrzehnten mit all meinen Tieren? Was darf ich denn seit nunmehr drei Jahrzehnten für euch von euren Tieren übersetzen? Welche Zusammenhänge durften wir verinnerlichen? Kurzum, ich MUSSTE in meine Macht finden! Raus aus dem Fokus im Außen, rein in die Verbindung machtvoller Liebe aus Himmel und Erde, die ich Mensch in mir JETZT zu fühlen hatte zum Wohle der mir anvertrauten Gefährtinnen. Mit einem Schlag drehte ich den Spieß um und veränderte Pollys panische Aktion in Kooperation, Hannah ging mit mir ebenfalls interessiert in Interaktion. Das Energielevel war dasselbe, die Qualität allerdings hatte sich um 180 Grad gedreht. Ich war nun das Subjekt ihres jetzt positive(re)n Stresses. Nun war es meine Energie, die sie aufnahmen. Denn die war stärker, als die Kraft der vom Außen verursachte Angst.

So verbrachten wir zwei Stunden in voller Aufmerksamkeit, mit Unterbrechungen zum Durchknuddeln, und, da mache ich euch nichts vor, das war anstrengend! Und es war kein Zauber geschehen, der alle wie von unsichtbarer Hand in Tiefschlaf fallen ließ. Mir ist weder ein Engel erschienen, noch war unser Häuschen von hellem Licht erfüllt, noch fühlte ich mich „erleuchtet“. Ich war einzig und alleine bei mir zu einhundert Prozent in dem Bewusstsein der vollen Verantwortung für Leib und Leben der mich und euch stets mit vollem Einsatz begleitenden Tiere.

Diese Erfahrung, ihr Lieben, wünsche ich euch, wünsche ich uns allen für das Jahr 2025. Das letzte Jahr war für viele Menschen, wie Tiere ein hartes Jahr. Unermüdlich haben unsere Tiere uns durch schmerzvolle Verluste getragen, sie nahmen durch politische und gesundheitliche Prozesse erlittene Traumata ihrer Menschen auf sich und sie werden es weiterhin so handhaben. Umso mehr sind wir gefordert, bei uns zu bleiben, unsere eigene machtvolle Liebe zu erspüren und ZU LEBEN! Miteinander zu SEIN, authentisch, offen, mit dem Fokus auf das, was wir wollen und wie wir es wollen – frei von Kampf und Groll. Wir sind reich geworden, reich an Erfahrung, reich an Liebesfähigkeit, reich an Frustrationstoleranz, reich an Verbundenheit. Wenn wir diesen Reichtum mit Gleichgesinnten teilen, wird er sich unweigerlich potenzieren.

In diesem Sinne, erspürt euch weiterhin, wie ihr es auch in unserer bisherigen Zusammenarbeit erfahren habt. Achten wir weiterhin auf unsere Kraft und unseren Fokus, nicht zuletzt, um unsere Tiere und auch die Wildtiere zu entlasten. Danke, dass ihr SEID, danke, dass ihr uns vertraut. Wir freuen uns auf ein weiteres erfülltes Jahr mit euch!

Eure Claudia M. Struwe und Team

Wenn´s der Peppa mal nicht gut geht, und das kommt öfter vor bei neunjährigen Kaninchen, dann ist die erst mal eine ganze Weile grantig zu ihrem Emil. Naja, denke ich dann, sie wird halt wieder von den Hormonen gejagt. Und der Emil, der ist so was von geduldig und verständnisvoll und maximal deeskalierend, dass ich dann tatsächlich ein Weilchen zuwarten kann.

Ihr fragt euch jetzt, ob ich sie nicht fragen kann, was sie hat. Klar, kann ich. Aber dass ich Tiere verstehe, heißt nicht, dass sie mit mir „reden“ wollen. Schon gar nicht, wenn ich so grausam war und sie im Sommer aus meinem Büro in ihr 12 qm großes Gehege umgezogen habe. „Ausgesetzt!!! Ausgesetzt hat sie uns. Sie will nix mehr mit uns zu tun haben. Aber die Hunde und die Katzen, die dürfen bleiben!! DIEEEE müssen nicht raus. Hier verliert man sich ja in diesem mardersicher vergitterten Verlies!!!“ So oder so ähnlich haben sie sich offensichtlich gefühlt. Also wenn ein Kaninchen so von dir denkt, brauchst du gar nicht den Versuch zu machen, mit ihm Verbindung zu bekommen. Zumindest nicht, wenn es Peppa heißt. Aber da ist dann ja noch der feinfühlige Emil. Als es ihm dann doch zu viel war, ging er in Sitzstreik. Er positionierte sich da draußen so, dass er mich mit magnetischem Blick ins Küchenfenster zog, von dem aus ich ihn gut sehen konnte. Zack, prallte mir sein Wunsch entgegen, den ich in etwa so übersetzen könnte: „GEH MIT DER ZUM ARZT! SCHNELL!! DAS HALTE ICH NICHT MEHR LANGE AUS. MIT DER STIMMT WAS NICHT.“ Sein Wunsch ist mir Befehl, zumal mir auffällt, dass sie ihre Äuglein zukneift und sich anders bewegt, als sonst. Also, ab zur Tierarztpraxis mit der Patientin. Und als wir zwei uns kurz darauf bei der Tierärztin im Behandlungsraum wiederfinden und Peppa untersucht wird, gibt das vorwurfsvolle Kaninchen, das mich seit Sommeranfang nicht mehr mochte, mir endlich doch ein Signal. Ich bespreche das mit der Tierärztin und mit Röntgenbild etc. wird ein Behandlungsplan erstellt. Emil wollte alleine zu Hause warten. Der war heilfroh, mal für eine kurze Zeit seine Ruhe zu haben. So ganz nebenbei reduzierte sich der Futtervorrat auf gespenstische Weise um mindestens die Hälfte während der Zeit unserer Abwesenheit. Noch als wir zurückkommen, liegt er glückselig versunken mittendrin in der bunten Auswahl an Frischkost. Endlich mal in Ruhe fressen! Nun heißt es, wieder zurückziehen in das räumlich sehr viel kleinere Büro, also eigentlich MEIN Büro, aber wer braucht schon ein Büro, wenn er einen Esstisch hat! Ich muss sie im Blick haben, meine Langohr-Omi! Jetzt leben die zwei wieder bei der Familie, ich stalke Peppa morgens, mittags, abends, nachts und während ich das kränkelnde Mädchen mit seinen Medikamenten versorge, kann die herdenschützende Hündin Polly ganz genau schauen, ob es nicht zwei, drei Streicheleinheiten zu viel von mir bekommt, die ihr dann fehlen könnten. Dass die Dinger mengentechnisch unbegrenzt zur Verfügung stehen, – es sei denn, mein Zeitplan funkt mir dazwischen -, hat sie noch nicht verstanden. Oder sie hat das verstanden und weiß, DASS mir mein Zeitplan öfter mal dazwischenfunkt. Das wohl eher.

Auf jeden Fall sind Emil und Peppa jetzt wieder ein Liebespaar und mich mögen sie auch wieder ein bisschen mehr (schaumermal, wie lange). Peppas Genesung wird dauern und ich werde ihr weiterhin gute Sachen ins Mäulchen träufeln. Aber das ist halb so schlimm, jetzt wo wir uns wieder alle lieb haben.

FÜR SIMON 14.03.2024

 

AUGE IN AUGE DER TRENNUNG ENTGEGEN.

DIE NADEL SITZT. ENTWEICHENDES LEBEN

SUCHT LIEBEND MEINEN FESTEN BLICK.

VON NUN AN GEHT KEIN WEG ZURÜCK.

KOPF AN KOPF ATMEN WIR STERBEN.

IM GLEICHKLANG. IM FRIEDEN. IM STÄRKER WERDEN.

WIR HABEN ENTSCHIEDEN UND SO GESCHIEHT,

WAS NUN ALLEIN DIE SEELE SIEHT.

ICH BLEIBE NICHT

IM SCHÖPFUNGSLICHT.

ES STRAHLT DEIN UNENDLICHES SEIN

IN´S ALL UND IN MEIN HERZ HINEIN.

BE – SEELT ZURÜCK

BIN ICH IM GLÜCK.

Deine Schwester aus der Ewigkeit in die Ewigkeit          (Claudia Maria Struwe)

Simon. Mein Bruder. Der erste Blick in deine Augen veränderte meine Welt!

Gefährte, Begleiter, Wegweiser, Weltenöffner, Mitarbeiter, Heiler, Psychologe, Sozialarbeiter. Simon. Der Hund an meiner Seite. Rumänischer Kämpfer auf drei Beinen, Wald-“Besitzer“, Revierverwalter, Ordnungshüter, Bandenchef, Rüde-Rüde.

Vierzehn Tage sind es heute her, dass deine Seele den Hund an meiner Seite zum zweiten Mal verlassen hat. “Dieses Mal wird unser gemeinsamer Weg nicht wegen meiner Beine enden.“, gabst du mir im Mai 2023 zu verstehen, als ich weitere Möglichkeiten suchte, dir deine Schmerzen zu nehmen. Alle Optionen schienen ausgeschöpft, sodass dir nur noch der kurze Weg in den Garten blieb, den du eigenbeinig gehen konntest. Ins Haus musste ich dich oft zurücktragen. Immer wieder hast du meine Gedanken unterbrochen, wenn ich dich bat, mir den passenden Moment zu zeigen. “Es geht mir gut, lass mich noch hier.“ Selbstverständlich erfüllte ich dir diese Bitte, zumal ich fühlte, dass du auf etwas wartest, was du mir nicht verrätst. Obwohl das Wissen deines nahenden Todes über uns schwebte, hatten wir noch einige wunderschöne, innige, liebevolle, fröhliche Monate. Die Traurigkeit, die mich von Zeit zu Zeit überkam bei dem Versuch, mir ein Leben ohne dich vorzustellen, wischtest du lächelnd mit einem Schwanzwedeln beiseite. Du ließest es dir nicht einmal nehmen, trotz deiner zunehmenden Schwäche so manchem deiner zwei- und vierbeinigen Freunde bei unserer Arbeit Herz und Augen zu öffnen. Dass du nicht mein einziger Patient warst, störte dich nicht. Verständnisvoll und geduldig teiltest du meine Aufmerksamkeit mit den anderen. Wenn in so manchen Nächten meine Blicke durchs Fenster in der stillen Dunkelheit des Waldes Geborgenheit tankten, drücktest du deinen Rücken an meinen Bauch, nahmst mich mit in deine Atmung und wir glitten gemeinsam in den Schlaf. Auch wenn ich dabei zunehmend den leisten Pfeifton aus deiner Lunge wahrnahm, fühlte ich zusammen mit dir dieses tiefe Vertrauen. Wir waren geliebt, beschützt und geführt.

Doch dann wurde ich vom Leben überrascht. Es stellte nun mich an die Schwelle meiner eigenen körperlichen Existenz. „Ich nehme das mit, wenn ich gehe“, begann unsere Diskussion, nach der du mich glauben ließest, meine Ansage akzeptiert zu haben. In Wahrheit aber hattest du schon den Plan in der Tasche. Dank der Wachsamkeit und Fürsorge meiner Tochter und des schnellstmöglichen Einsatzes meines Arztes konnte ich bald das Ruder meines Lebens und eurer Obhut wieder selbst in die Hand nehmen.

14.März 2024. Du atmetest schwer. Dreißig Atemzüge in der Minute. Mir wurde unbehaglich zumute. Draußen schien die Sonne. Ein einziger Sonnentag, umrahmt von tristen Regentagen, für dich! Langsam und dankbar legtest du dich in dein weiches Bett, das ich dir auf der Terrasse gerichtet hatte. Ich kenne niemanden, der die Sonne so sehr genießen kann, wie du es getan hast. Unsere Augen trafen sich und verweilten ineinander. “Du wirst nicht leiden!“, versprach ich. Einundvierzig Atemzüge. Dein Blick folgte mir, als ich in unser Häuschen ging, um Clara anzurufen. “Mama, es wird Zeit.“, bestätigte mich meine Tochter. “Fährst du mit? Dieses Mal brauche ich dich für den Rückweg.“, bat ich sie. Ungewöhnlicher Weise war das Wartezimmer leer. Ein kurzer Austausch mit der Tierärztin machte den Weg frei für die finale Entscheidung, – für deine Freiheit. Von nun an galt unsere stille Aufmerksamkeit dir allein. Während sie schweigend alle Vorkehrungen traf, wiegte ich dich in meinen Armen, wie ein Baby. Ja, ich musste ein paar tiefe Atemzüge nehmen, um nicht zu weinen. Es ging jetzt nicht um mich. Du brauchst mich stark. Ich bin dein Halt. Das ist das Mindeste, was ich dir zurückgeben kann für elf wundervolle Jahre meines Lebens! Ich bin dein Anker, dein Boden, von dem aus du deinen freien Flug starten wirst. Die erste Nadel mit der Narkose saß und während die Flüssigkeit langsam in dich eindrang, drehtest du, fest in meinen Armen liegend, deinen Kopf so weit nach hinten, wie nur möglich und suchtest mit deinen klaren Augen meinen Blick: “ Geh mit mir mit!“, sprachen sie, “Ich liebe dich unendlich.“ “Ja, mein Bruder, ich gehe mit.“, antwortete die Liebe in mir. Und so begleitete ich dich, meinen Gefährten, Begleiter, Wegweiser, Weltenöffner, Mitarbeiter, Heiler, Psychologen, Sozialarbeiter, den Hund an meiner Seite, den rumänischer Kämpfer auf drei Beinen, Wald-“Besitzer“, Revierverwalter, Ordnungshüter, Bandenchef, Rüden-Rüden bedingungslos und ewig liebend zurück in seine Heimat. An der Schwelle zur Ewigkeit überließ ich dich dem freien Flug ins Über-All, wo wir uns eines Tages wieder finden werden. Ich kehrte zurück in mein Leben zu meinen anderen Wegbegleitern, Gefährten, geliebten Familienmitgliedern. Du wirst nicht mehr zurückkehren. Nicht als Hund, Katze, Vogel, was auch immer. Du bist frei in Ewigkeit und das erfüllt mich mit unendlicher Freude. Ich bin um einen Hund ärmer und um so viel Unaussprechliches, Grenzenloses reicher. Deine drei Mädels und auch ich, wir werden Zeit brauchen, um uns neu zu strukturieren. Doch wir sind auf einem guten Weg. Immerhin sind wir gut begleitet von einer fachkompetenten Seele aus dem Himmelreich.

Simon. Mein Bruder. Der letzte Blick in deine Augen veränderte meine Welt.

 

Deine dich ewig liebende Schwester   (Claudia Maria Struwe)

 

Hallo Ihr Lieben,

so gerne würde ich jetzt die Stimmung hier um mich herum einfach mal zu euch transportieren. Ich höre das Knabbern und fröhliche Treiben der beiden langohrigen Nimmersatts im Nebenzimmer, fühle Maiinas Wärme an meinem Oberschenkel, die für diese Nähe gerne in Kauf nimmt, dass der Laptop zum Teil auf ihrem Kopf liegt, Simons Kopf auf meinen Füßen, Hannah, Julchen, Max, Carlos, PollyPoppins ….alle kuschelig  verteilt auf gemütlichen Schlafplätzen, genießen die gemeinsame Ruhe und liebevolle Nähe. Auch die anderen Seelen sind mit dabei, die ihren Körper bereits verlassen haben. Ein spannendes Jahr neigt sich dem Ende zu, das mich zu vielen Entscheidungen herausforderte. Ich bin aus tiefstem Herzen dankbar, dass ich in der Lage bin, mit meinen Tieren zusammen diese Entscheidungen zu treffen. Dankbar bin ich auch, dass ich mein Leben so leben kann, dass ich immer wieder erfüllt werde mit dem Bewusstsein, geführt, geliebt und getragen zu sein. In den Himmeln genauso zu Hause sein zu dürfen, wie auf Mutter Erde mit ihrer klaren, manchmal unbequemen Natur und den Menschen, die sie trägt, birgt für mich unendlichen Reichtum. Dankbar bin ich auch gerade diesen Menschen, euch, die sich und / oder Ihre Tiere mir und meinen Tieren anvertrauen, ob über die Ferne am Telefon oder bei einem Besuch in meiner geliebten Praxis. Dass auch dieser Wunsch erfüllt wurde, einen Raum zu haben, in dem wir mit meinen und/oder euren Tieren persönlich zusammenfinden, weckt wieder tiefe Dankbarkeit und Freude in mir. Ihr fühlt euch wohl, öffnet eure Herzen und euer Bewusstsein für neue Erfahrungen, nehmt euch Zeit und fahrt weite Strecken – das zeigt mir immer wieder, dass wir auf einem guten Weg sind.

Ihr macht es mir leicht, anzunehmen, was das Leben schenkt, auch wenn der Wert dessen, was geschieht, nicht immer gleich als Geschenk zu erkennen ist. Manchmal ist dieser sehr versteckt, wie die vergangenen Jahre zeigten. Manchmal aber ist er nicht zu übersehen. So zum Beispiel öffnete sich mir die Welt der Kinder aus der Perspektive der Großmutter Anfang dieses Jahres zum zweiten Mal – ein interessanter Blickwinkel, den ich nicht mehr missen möchte! So erfährt mein Bewusstsein durch das pure Leben immer wieder neue Welten, die Liebe, Vertrauen, Fürsorge und verschiedene Arten von Verantwortung in einem selbstverständlichen Sein mit Allem, was ist, vereinen.

Alles, was ich erlebe, was mich trägt, was mich froh macht, glücklich und frei, gebe ich mit Freude an euch, eure Tiere und eure Kinder weiter. So dürft ihr euch mit mir freuen auf die Fortsetzung weiterer Gespräche, Workshops, Vorträge, Seminare oder offener Treffen. Ein lebendiges Programm wurde geboren aus der Liebe der Himmel und der Erde, die wir heute, am 24.12.2024 als Weih-Nacht feiern.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein gesegnetes Fest mit liebevollen Tagen danach, die euch voller Freude in das kommende Jahr tragen mögen.

Herzlichst, eure Claudia M. Struwe mit ihrem gesamten Team im Haus und ums Haus herum

Maiina – vollwertig anerkanntes Rudelmitglied

Achtundzwanzig Jahreszeitenwechsel hast du hier bei uns schon erlebt und immer wieder sind sie eine Herausforderung für dich. Langsam kannst du es besser nehmen, dass die Umgebung sich anders anhört, die Vogelstimmen sich verändern, die Erde unter deinen Füßen ihre Temperatur abkühlt und, wie jetzt gerade, nasse, schlabberige Blätter schmatzende Geräusche erzeugen, bevor sie an deinen Füßen kleben bleiben. Dass sie ihre Farben verändert haben, kannst du nicht sehen, denn vor 10 Jahren wurdest du ohne Augenlicht geboren.

Das erste, was du mich hast wissen lassen, kurz nach deinem Einzug bei uns war, dass du im Leib deiner Mama neben einem toten Brüderchen gelegen hast, nach dem du dich noch viele Jahre lang sehntest. Wie gut, dass dein ebenfalls blinder Halbbruder Jack schon bei uns war, als du hier ankamst. Eure enge Beziehung wurde bis heute auch nicht durch seinen frühen Tod gestört. Nachdem Jack gegangen war, konntest du mir zeigen, dass dein Vater gleich nach der Zeugung von deiner Mutter gerissen und erschlagen worden war. Dem Himmel sei Dank, dass du mit deinen Geschwistern zwei Wochen nach eurer Geburt in einem Karton vor einer griechischen Tierarztpraxis ausgesetzt wurdest. Denn du lebst. Ja, dein Leben war, ist und bleibt immer noch und immer wieder eine Herausforderung, weil die Lebensphasen, in denen sich die Nervenfasern deines Gehirnes ausbildeten, von Todesangst, Verlusten und Mangel geprägt waren. So ist es dir oft nicht spontan möglich, selbstständig Lösungen für unbekannte, dich ängstigende Situationen zu finden, außer die Angst aus dir herauszuschreien. Oh ja, sogar deine Schwester hast du angeschrien, als du nachts um 12h zu uns gebracht wurdest. Er musste heraus, der Schmerz deiner Einsamkeit, nachdem ich dir Hannah genommen hatte. Der Tierschutzverein, der euch vermittelte meinte damals, es sei besser, sie lassen erst die Ruhigere zu uns kommen. Als Hannah allerdings eingezogen war, war ich mir sicher, sie hatten euch verwechselt. Es konnte unmöglich sein, dass sie die Ruhigere sein sollte! Ein Jahr später nahm ich alles zurück und behauptete das Gegenteil, denn dann warst du da.

Seit dem ersten Tag mit dir kenne ich das Gefühl, vom Himmel durch die Hölle zu reisen, um mit den Füßen dann wieder auf der Erde zu landen. Abgesehen von deiner Todessehnsucht und den entsprechenden Suizidversuchen, durch die du deinen Brüdern und deinem Papa näherkommen wolltest, – mit so viel Katastrophen kreierender Kreativität muss man umgehen können! Das konnte und kann ich. Denn dass wir Beide uns gefunden haben, hat einen guten Grund. Wie auch immer, der Weg, den wir alle miteinander gehen, hat uns zusammengeschweißt. Wir lernen einander, entwickeln uns gemeinsam und, das Wichtigste von allem, unser Leben ist voller Freude und gelebter Liebe! Und nun, in unserem siebten gemeinsamen Jahr geschehen wieder neue Wunder. Du findest ab und zu andere Lösungen, als zu kreischen. Du kannst dich manchmal weich und ratlos zeigen und meine Hilfe und Führung annehmen.  Nicht immer – und ich hüte mich davor irgendetwas von dir zu erwarten. Ich liebe dich weiterhin genau so, wie du bist, auch wenn mir das in der Menschenwelt mehr Feinde als Freunde beschert. Durch dein Sein forderst du kompromisslose Authentizität, mentale Stärke und Wachsamkeit und bedingungsloses Lieben. Ich bin dir zutiefst dankbar für die Einblicke, die du mir gewährst in dein Herz, deine Seele, dein Gehirn, dein gesamtes Erleben und Denken, dein tiefes Fühlen von Angst und Liebe. Dein Gehirn kann wichtige Lernleistungen nicht erfüllen. Das ist richtig. Aber auch du lässt mich hautnah miterleben, dass Erfahrungen, die deine Seele über viele Leben gemacht hat, mit jeder Öffnung deines Herzens in dein aktuelles Leben einfließen und somit auch in meines.

Alle Tiere, die mit mir leben, tragen dazu bei, dass wir anderen Tieren zur Seite stehen können; jedes auf seine ganz besondere Weise. So hast auch du mir einen Schlüssel in die Hand geschmiedet, den ich mit Freude weitergebe.

Danke, Maiina, mein Mädchen. Ich liebe dich.

Halb acht am Morgen. Simon und ich verlassen das Haus, die beiden Mädels wissen Bescheid. Sie wollten noch nicht in den Garten, macht nichts, ich bin ja gleich wieder da. So war es ausgemacht. Und so kam es nicht.

Simon’s Zähne brauchten Großputz. Geplant war, der Bub darf um acht in der Tierarztpraxis schlafen, sein Gebiss wird saniert und 11.30h hole ich ihn ab. Er war von mir detailliert vorbereitet auf Wartezimmer, Rasur und das ganze Prozedere, sodass er munter in den Behandlungsraum hüpfte, sich noch bereitwillig auf die Waage stellte und sein „Bett“ auf dem Behandlungstisch mit der weichen Wärmematte bezog. Dass aber heute seine Rollvenen ganz in ihrem Element waren, stand nicht auf dem Plan. Das Tierarztehepaar arbeitete präzise Hand in Hand miteinander, mit Simon und mit mir – doch es half nichts. Nach vergeblichen Versuchen an seinem Vorderbein waren die Hinterbeine dran, deren Venen sich aber ebenfalls konsequent weigerten. Personenwechsel. Nochmal das Vorderbein. Kaum war es gestaut, schwappte von Simon eine Welle zu mir rüber: „Gleich werde ich richtig sauer! ACHTUNG! ICH HABE NUR DIESES EINE VORDERBEIN!!!!!! Ich kam gar nicht dazu, zu Ende zu dolmetschen, hat er es selbst deutlich ausgesprochen. „Simon, ja, wir lassen das.“, war die Entscheidung. Zack, alles weg vom Bein. „Wir machen erst Poponarkose und dann weiter.“, entschied die Tierärztin. Während ich Simon in meinen Armen wiegend und singend beruhigte, schob sie ihm die Spritze in den Hintern und wartete, bis er bei mir eingeschlafen war.

„Tschüss, Frau Struwe, bis halb zehn.“ Halb zehn also. ‚OK. Heimfahren, die Mädels füttern und in den Garten lassen? Reicht zeitlich nicht. Ich bin ja froh, wenn ich den Buben gleich wieder bei mir habe.’, überlegte es in meinem Kopf. Als dann meine Tochter anrief, weil sie ihren Hund in meinem Garten springen lassen wollte, bat ich sie, die Mädels rauszulassen. „Mama, die standen vorm Haus und wollten einfach nur wieder rein. Da läuft ja gar nichts ohne dich.“ Wie ich meine Bande kenne, waren sie genauso bei Simon eingeloggt, wie ich. Diese Zusammenarbeit hat Maïna schon das Leben gerettet, aber das ist eine andere Geschichte. Auf jeden Fall haben sie Übung darin. So überraschte es mich auch nicht, als ich mit dem noch stark schwankenden Simon nach Hause kam und er ungewöhnlicher Weise von allen drei Katzen und den Mädels mit liebevoller Stille und achtsamer Distanz begrüßt wurde. Hannah, die Krankenschwester, streckte ihren Hals so lang wie nur möglich, um ihn zu checken, dann verkroch sie sich in ihrer Box und ging in die Tiefe. So hatte jeder hier seine eigene Art, den ziemlich malträtierten Buben zu unterstützen, dem das Blut noch aus dem Maul tropfte. Doch das konnte er geduldig ertragen, denn darauf war er vorbereitet. Gut, dass ich mir frei genommen hatte, so konnte ich bei ihm sein und ihn behandeln. Als es ihm besser ging, meldete Hannah entschieden eigene Bedürfnisse an, es war jetzt endlich Zeit für eine Hunderunde. Dass sowohl sie, als auch ihre Schwester auf halber Strecke wie auf Kommando umdrehten, wunderte mich dann schon. Zuerst schrieb ich das ihrem Hunger zu. Später wurde mir klar, dass ein einsamer Simon sie von seiner Box aus zurück geholt hatte – mit mir im Schlepptau!

Zufrieden und gemeinsam verbringen wir nun den Abend, in unserer Mitte ein entspannter Simon,  auch in seiner momentanen Erschöpfung und Schwäche immer noch der „große Bruder“ – gehalten, gefühlt und geliebt von seinen blinden Mädchen.

Was für ein Segen! Was für ein Beispiel für die Menschenwelt!

 

Alles Liebe, eure Claudia M. Struwe und Team

Hallo ihr Lieben,

vor zwei Tagen habe ich etwas für mich sehr Ungewöhnliches getan. Ich postete ein YouTube Video über Tierschutz. Das Ziel des Videos ist ein pelzfreies Europa. Augen- und herzöffnend begaben sich das deutsche Tierschutzbüro und der Meeresbiologe, Tierschützer, Tierfilmer Robert Marc Lehmann gemeinsam auf eine Mission, die sie wohl niemals vergessen werden.

Todesangst, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, innere Leere in Form von Tieren, dazu bestimmt eines Tages den Körper modebewusster Menschen mit Teilen ihres Körpers zu verzieren, sind in dem Video zu sehen; nicht, um Mitleid und Hass zu erwecken, sondern um aufzuklären und die Menschen zu motivieren, daran zu glauben, dass sie etwas ändern können. Was bringt es, wenn jeder vor dem Video in Tränen ausbricht und seine scheinbare Machtlosigkeit durch Hassgefühle auf die Tierquäler und Pelzträger kanalisiert? Nichts? Es bringt weniger, als nichts, denn die Konzentration negativer Gefühle verschlimmert die Situation. Wofür aber ist es dann gut, sich all den Herausforderungen zu stellen, die der Dreh eines solchen Videos mit sich bringt? Was können wir tun? Es gibt nicht viele Petitionen, die ich unterschreibe, aber diese ist eine der wenigen, bei denen ich keine Sekunde nachdenken muss. (Link unten). Was mir an der Öffentlichkeitsarbeit von Robert Marc Lehman besonders gefällt ist, dass er nicht verurteilt. Denn nach eigener Aussage hat er in früheren Zeiten als Meeresbiologe aus Unwissenheit selbst viel „Scheiße gebaut“. Statt Hass zu schüren, klärt er auf, steckt an und verändert!

Aus meiner Sicht gibt es noch eine weitere Möglichkeit, wie wir diesen Tieren beistehen können. Beistehen im wörtlichen Sinn. Vor einigen Jahren rief ich den ´Mentalen Tierschutz´ ins Leben. Seitdem wird er von vielen Menschen, die und deren Tiere ich begleiten darf, nicht nur ab und zu praktiziert, sondern ist ihnen in Fleisch und Blut übergegangen.  Ob es sich dabei um Tiere aus dem Tierschutz oder um überfahrene, angefahrene, anderweitig verletzte oder zu Tode gekommene Wildtiere, etc. handelt, – wir können ihnen mental beistehen. Damit meine ich, bei ihnen stehen, mit ihnen sein – mit unseren Gedanken, mit unseren Herzen und, ganz wichtig, OHNE Mitleid. Ihnen auf UNPERSÖNLICHE Weise Liebe, Sicherheit und Geborgenheit senden über viele Kilometer hinweg. Warum unpersönlich? Naja, wenn wir unsere persönlichen Gefühle in den Kontakt zu einem leidenden Tier hineinlegen, belasten wir es zusätzlich mit unserem eigenen unbearbeiteten Kram. Denn sie empfangen all unsere Gedanken und Gefühle, auch die, derer wir uns nicht bewusst sind. Im Rahmen meiner Seminare habe ich dazu eine Art Anleitung verfasst, die ich euch bei Interesse gerne zusende. Wer tiefer gehen und den Mentalen Tierschutz in Kleingruppen üben möchte, darf sich gerne bei mir melden. Abgesehen von den sogenannten Tierschutztieren haben auch unsere eigenen Tiere einen starken Vorteil davon, wenn wir sie auf diese Weise in der aktuellen Zeit unterstützen.

Zurück zum Video. Die meisten eurer Rückmeldungen beziehen sich voller Mitgefühl auf den halbtoten, sich an seine beiden toten Geschwister kuschelnden Marderhund. Warum wurde nicht er gerettet? Die Motivation der Tier-Rechtler, ihn schweren Herzens dort zu lassen, kenne ich noch nicht. Aber ich habe mich diesem Tier zur Verfügung gestellt, sodass ich seine Gefühle, Gedanken, etc. an mir selbst erfahren kann. Dadurch kann ich euch sagen, es war gut, dass er bei seinen Geschwistern bleiben konnte. Denn seine Seele ist mit den Seelen der verstorbenen Geschwister verbunden. Die meisten seiner Seelenanteile sind dort, wo ihre Seelen sind. Hätte man ihn mitgenommen, wäre es selbst durch maximale Bemühungen nicht gelungen, seinem Leben ein sinnvolles Dasein zu schenken. Es ist schon oft viel Arbeit, misshandelten Haustieren ihren Sinn zurück zu geben, da auch sie durch erlebte Traumata sich von Teilen ihrer Seele trennen, die man allerdings durch intensive Kommunikation mit ihnen und Coaching ihrer Menschen zur Rückkehr bewegen und ihrem Leben so einen Sinn zurückgeben kann. Ein Marderhund aber, auch wenn er in Gefangenschaft geboren wurde, ist und bleibt ein Wildtier. Die Verbundenheit speziell dieses Tieres mit den Seelen seiner Geschwister sind für ihn mehr Rettung, als die Trennung von ihnen.

Dies am eigenen Leib mitzufühlen, rate ich niemandem, der das nicht professionell praktiziert. Zum einen kann das eigene Gehirn unrealistische Wahrnehmungen projizieren, die man dann fälschlicherweise dem Tier zuschreibt, zum anderen will das Ganze auch verkraftet werden! Mentalen Tierschutz aber kann jeder, der das möchte. Sowohl für aktive Tierschützer, die sich mit hohem körperlichen, zeitlichen, finanziellen Einsatz engagieren, als auch für jene, die das nicht können, ist es ein weiterer Weg, Tiere liebevoll zu begleiten.

Es gibt so viele Möglichkeiten, die innere Liebe zum Strahlen zu bringen, wie Sterne im Universum. Lasst uns nicht nur in der Adventszeit ein Licht in die Dunkelheit bringen. Ob vom Wohnzimmer aus, von unterwegs, ob aktiv, mit einer Unterschrift oder mental oder alles zusammen – wir dürfen und sollten leuchten, denn dafür sind wir hier.

 

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen zweiten Advent,

 

eure Claudia M. Struwe mit ihren vielen kleinen vierbeinigen Sternchen im Bett, auf dem Sofa, in Winterruhe oder unterwegs im Wald 😉

 

Link zum Video  UNDERCOVER in der Pelzfarm – Mission: EUROPA 2022 | Robert Marc Lehmann – Bing video

Link zur Petition  Startseite – Deutsches Tierschutzbüro e.V. (tierschutzbuero.de)