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RESPEKT VOR GEFÜHLEN

Als du bei uns ankamst, zeigte schon die Ouvertüre, mit der du vor neun Jahren das Konzert deiner Gefühle eröffnet hattest, was auf uns alle zukommen wird. Es waren nicht nur deine verzweifelten Schreie, die um 24h die Nacht erfüllten, als die Tierschützerin dich vor unserer Haustür aus dem Auto hob. Du zeigtest auch eine komplette Verwirrung deiner Gefühle, als du deine Zwillingsschwester Hannah, die du ein Jahr lang schmerzlich vermisst hattest, wahrnahmst. Hätten wir dich gelassen, hättest du sie in deiner blinden, verzweifelten Überforderung mit den auf dich einprallenden Sinneseindrücken und deinen damit verbundenen Emotionen aufs Schärfste angegriffen. Es war sofort klar, dass wir alle sehr viel Energie, Zeit und vor allem Liebe und Klarheit aufbringen werden, um für dich und uns ein angenehmes Leben zu erschaffen. Es war ein langer, langer Weg, mein Mädchen, der sowohl Irrwege beinhaltete, als auch zermürbende Ratlosigkeit. Wir alle sind diesen Weg gegangen, – wir mit dir, du mit uns. Aus tiefstem Herzen dankbar bin ich dir für diese Reise in die versteckten, dunklen Pfade deiner Seele, die sich – wie kann es anders sein – in den vergangenen neun Jahren als unverzichtbare Anteile meines eigenen Lebensweges zu erkennen gaben.

Ein kleines Beispiel des gestrigen Tages dafür, wo wir heute stehen, möchte ich für dich und mich und für Menschen, die mit ihrem Tier vor einem scheinbar unlösbaren Rätsel stehen, heute rekapitulieren. In unserer Mittagspause machten wir beide uns auf den Waldweg hinter unserem Häuschen. Ursprünglich hatte ich vor, dich ein paar von den kleinen Leckereien, die ich für diesen Zweck mitgenommen hatte, suchen zu lassen. Doch schon nach den ersten Metern hautest du abrupt die Bremse rein. Mitten auf dem Weg bliebst du sitzen wie ein Fels. Urplötzlich warst du in einer inneren Leere gelandet, die es dir unmöglich machte, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Leider hat das Leben dich nicht nur mit augenlosen Augenhöhlen ausgestattet, sondern auch mit den Genen eines Meutejagdhundes. So wurde in den Zeiten vor deiner enormen seelischen Entwicklung ausgenommen jeder Spaziergang zu einer Odyssee für dich und mich. Denn wir leben im Wald und die Gerüche der Wildtiere ließen bei jedem Schritt dein Gehirn Samba tanzen. Gestern aber hatte sich gezeigt, wie reif dein Gehirn und deine Seele heute sind. Du ließest zu, dass ich deine innere Leere wahrnehme. Alleine das war ein großer Fortschritt. Was hatte ich nun zu tun? Anders gefragt, was hätte ich getan, wäre mir der Grund und dein Zustand nicht bewusst, hätte ich ihn nicht in mir selbst nachfühlen können? Ich hätte dich wahrscheinlich versucht, mit den Leckereien zum Weiterlaufen zu animieren. An dieser Stelle sei nebenbei erwähnt: Dass „einfach Weiterlaufen und den Hund mitziehen“ und diverse andere Ratschläge, die einem Hundehalter in solchen Fällen gegeben werden, sich hier als kontraproduktiv und entwürdigend erweisen, erklärt sich von selbst. Aber zurück zu dir und mir und gestern: Du saßest wie ein Fels, ließest mich deine innere Leere wahrnehmen. Dann fühlte ich, dass du gerade ein Gefühl in dir wahrnahmst, welches du nicht einordnen konntest. Während ich gut geerdet und gelassen bei mir blieb, schuf ich für dich mental einen geschützten Raum. Nun führte ich dich behutsam in deinen inneren Raum hinein, damit du den Gedanken finden konntest, der dieses für dich undefinierbare Gefühl ausgelöst hatte. Endlich, nach einigen Minuten, konntest du ihn erkennen. In Menschensprache würde er ungefähr so lauten: „Ich bin tief in mir drin traurig, weil ich nicht sehe, was ich rieche.“ Wow!! Mein Schatz, welch eine Entwicklung! Statt voller Wut in den Wald zu kreischen: „Kommt alle her, ich töte euch, bevor ihr mich tötet!!!“, stellst du dich dem Gefühl dahinter: Traurigkeit. So verweilten wir beide ruhig nebeneinander. Du lebtest deine Traurigkeit und ich hielt den schützenden Raum für dich aufrecht. Ich fühlte deine Traurigkeit mit ohne die geringste Spur von Mitleid. Denn auch das wäre eine respektlose Reaktion. „Ja, mein Schatz. So ist das. Du riechst die Tiere und du siehst sie nicht. Und nein, das ist nicht nur schlimm, das ist absolute Oberscheiße! So ist das und das können wir nicht ändern. Lass dir Zeit für dein Traurigsein.“

Warum konnte ich an dieser Stelle so mit dir reden? Weil du in den vergangenen Jahren durch unsere gemeinsame innere Arbeit erkannt hast, dass du genau wie du bist, ein toller Hund bist. Du bist dir deiner Ressourcen und Persönlichkeit bewusst. Du weißt, dass du von uns in der Familie geachtet und geliebt bist. Und du weißt, dass du als Coaching-Assistentin einen hervorragenden Job machst. Ein paar wenige private Menschenfreunde hast du auch. Aber gestern warst du eben in diesem einen Moment traurig. Es tat dir gut, dass ich dein Gefühl ernst nahm, bestätigte und vor allem, dass ich dein Halt war. Wir hatten uns klar dafür entschieden, dass du jetzt traurig bist. Punkt. Nach einer Weile wurde dein Körper weich. „Bin fertig mit traurig. Lass uns nach Hause gehen.“, wären in etwa deine Worte gewesen, wärest du ein Menschenkind. Ich musste mich sehr zusammenreißen, um nicht schallend zu lachen. Aber ich gebe zu, dass ein Lächeln durch mein Herz huschte, was dir natürlich nicht verborgen blieb. Den Rest des Tages verbrachtest du schlafend. Das war eine riesengroßer Schritt, den du da gemacht hast und kostet sehr viel Energie. Essen, Trinken, Schlafen, Speichern…..das war jetzt dran.

Du wirst – je nach körperlicher und mentaler Verfassung und den äußeren Umständen – ganz sicher wieder deine Traurigkeit in der alten Form der Wut ausleben, da mache ich mir keine Illusionen. Das ist aber auch vollkommen unwichtig. Wichtig für dich ist, dass du dir selbst wieder ein Stückweit nähergekommen bist. Das ist, was zählt, mein nicht mehr immer lautes Mädchen mit dem zarten Herzen. Danke, dass du bei uns bist.

Claudia M. Struwe

Maina

Die Jagdhündin ohne Augen. Der Grund für einige gekündigte vermeintliche Freundschaften. Weil ich mich für dich entschieden habe, damals vor neun Jahren.

Nein, ich wusste nicht, was auf mich zukommen wird. Aber ich wusste, dass du zu uns gehörst. Zu mir, zu Lusy, Simon und Lotte, vor allem zu deinen ebenfalls blinden Geschwistern Hannah und Jack. Dass du ein ganz besonderes Mädchen bist, wusste ich. Dass ich viele Jahre lang ca. fünfzehn Mal nachts mit dir nach draußen gehen werde, dass du zu so Vielem nicht in der Lage sein würdest, was dir dein Leben angenehmer machen könnte, das wusste ich damals noch nicht. Ich hatte keine Ahnung, was Deprivation in frühester Kindheit und zusätzlich während der Pubertät mit dem Gehirn eines Säugetieres macht. (Inzwischen bin ich durch die anschauliche Aufklärung von @Robert Mehl schlauer. An dieser Stelle möchte ich seine Aufklärungsarbeit u.a. durch Webinare und sein Buch „Die Psyche des Hundes“ jedem Hundemenschen wärmstens empfehlen.) Hätte ich gewusst, wie sehr mein Leben sich durch dich ändert, hätte ich nicht anders gehandelt. Immer noch lerne ich durch dich dazu. Erst lernte ich, lauthals jeden anzugehen, der dich als aggressiv und dumm bezeichnete. Ich lernte damit umzugehen, wenn man mir Unfähigkeit, einen Hund zu erziehen, nachsagt. Du bist nun mal keine Sitz-Platz-Fuß-Untergeordnete. Das ist keiner meiner Hunde. Heute kann ich dank dir die Menschen, die uns nicht erkennen, in ihrer Welt lassen. Täglich bin ich mir tiefer der Dankbarkeit bewusst, dass du mit mir und uns dein Leben verbringst. Inzwischen fast elfjährig und nicht mehr ganz gesund, genießt du es in vollen Zügen, mit mir zusammen deine Beute (Nassfutter) zu jagen und zu „erlegen“. Deine Freude und Spannung, was wir dieses Mal machen werden, sobald ich dir dein Geschirr anlege und du dein Futter in meiner Hand riechst, macht mich glücklich. Da kannst du das sein, was deine Gene dir vorgeben: Jagdhündin. Ganz sicher nicht nach allen Regeln der „Kunst“ und schon gar nicht nach den üblichen Vorschriften. Denn dafür reicht deine Aufmerksamkeitsspanne nicht aus. Aber wir haben Spaß. Ja, ich habe meine Lebensstruktur nach euch allen ausgerichtet, am meisten nach dir, weil du die mit den stärksten Bedürfnissen bist. Keiner von euch kommt zu kurz und ich am wenigsten, weil ich durch euch so viel lernen und erleben darf. Was du ganz sicher nicht bist: „Dankbarer Tierschutzhund.“ Selbst während ich dies schreibe, muss ich grinsen. Du bist dir deiner selbst bewusst und im Hier und Jetzt sehr präsent. Und genauso liebe ich das Sein mit dir, – liebe ich dich -, mein starkes Mädchen mit dem zarten Herzen. Wie du dir deiner selbst bewusst bist, bin es auch ich. Ich sehe dich bis auf den Grund deiner Seele, ich nehme dich an mit allem, was du bist, ich führe dich klar und liebevoll durchs Leben. Auch wenn ich dir schon manches Mal körperlich weh tun musste, um deine Wunden zu versorgen, die du dir durch dein stürmisches Temperament zugezogen hast: Du kannst dich, wie die anderen auch, auf mich verlassen. Und dein tiefes Aufatmen während ich diese Worte schreibe zeigt mir, wir sind auf dem richtigen Weg, mein kleines Pumuckelchen.

Mein Blick auf euch (inzwischen noch) drei zufrieden schlafenden Schätze lässt auch mich tief aufatmen, während ich darüber nachdenke, was wir morgen Schönes zusammen anstellen werden.

Ihr Lieben,

aus meinem Kurzurlaub heraus möchte ich heute am 1.1.2025 unsere kleine Geschichte der Silvesternacht mit euch teilen. Wie ihr euch denken könnt, macht nicht einmal im Wald die Selbstsucht mancher Menschen Pause zugunsten der Tierwelt. Nein, es muss geböllert werden, ungeachtet der Auswirkungen auf Wild- und Haustiere. Dies zu vertiefen, ist hier nicht Thema, wohl aber ist diese Situation durchaus stellvertretend für sehr viele Situationen, mit denen uns unsere Mitwelt herausfordert, vor allem in den letzten Jahren – energetisch, persönlich, spirituell.

Polly, die meisten von euch kennen die schwarzbraune personifizierte Güte auf vier Beinen, die im März 2023 zu uns kam, litt im vergangenen Jahr schwer unter dem Silvesterlärm. Aufgrund der Abwesenheit einiger Hauptakteure in Sachen Silvesterlärm bestand Grund zur Hoffnung, dass sie die letzte Nacht des Jahres 2024 besser überstehen würde. Die Hoffnung ging flöten; bzw. „krachen“. Während die blinde Krawallmaus Maina nach vergeblichem Verbellen der Kracher entschied, es den Katzen und Kaninchen nachzumachen und in friedlichen Schlaf zu fallen, zitterte ihre Schwester in sich hinein. Still machte Hannah dicht und alle in ihrem Körper befindlichen weichen Strukturen wurden bretthart. Polly drehte sich hechelnd im Kreis und zeigte die üblichen panischen Verhaltensweisen, die man so kennt. Meine mit jedem Knallen und Zischen aufsteigende Wut (ich habe noch nie mein Pfälzer Temperament geleugnet) machte das Ganze nicht besser! Hannahs stille Verzweiflung und Pollys Panik wurde durch meine Stimmung um ein Vielfaches potenziert. Plötzlich legte sich in mir ein Schalter um. Was lebe ich denn seit guten fünf Jahrzehnten mit all meinen Tieren? Was darf ich denn seit nunmehr drei Jahrzehnten für euch von euren Tieren übersetzen? Welche Zusammenhänge durften wir verinnerlichen? Kurzum, ich MUSSTE in meine Macht finden! Raus aus dem Fokus im Außen, rein in die Verbindung machtvoller Liebe aus Himmel und Erde, die ich Mensch in mir JETZT zu fühlen hatte zum Wohle der mir anvertrauten Gefährtinnen. Mit einem Schlag drehte ich den Spieß um und veränderte Pollys panische Aktion in Kooperation, Hannah ging mit mir ebenfalls interessiert in Interaktion. Das Energielevel war dasselbe, die Qualität allerdings hatte sich um 180 Grad gedreht. Ich war nun das Subjekt ihres jetzt positive(re)n Stresses. Nun war es meine Energie, die sie aufnahmen. Denn die war stärker, als die Kraft der vom Außen verursachte Angst.

So verbrachten wir zwei Stunden in voller Aufmerksamkeit, mit Unterbrechungen zum Durchknuddeln, und, da mache ich euch nichts vor, das war anstrengend! Und es war kein Zauber geschehen, der alle wie von unsichtbarer Hand in Tiefschlaf fallen ließ. Mir ist weder ein Engel erschienen, noch war unser Häuschen von hellem Licht erfüllt, noch fühlte ich mich „erleuchtet“. Ich war einzig und alleine bei mir zu einhundert Prozent in dem Bewusstsein der vollen Verantwortung für Leib und Leben der mich und euch stets mit vollem Einsatz begleitenden Tiere.

Diese Erfahrung, ihr Lieben, wünsche ich euch, wünsche ich uns allen für das Jahr 2025. Das letzte Jahr war für viele Menschen, wie Tiere ein hartes Jahr. Unermüdlich haben unsere Tiere uns durch schmerzvolle Verluste getragen, sie nahmen durch politische und gesundheitliche Prozesse erlittene Traumata ihrer Menschen auf sich und sie werden es weiterhin so handhaben. Umso mehr sind wir gefordert, bei uns zu bleiben, unsere eigene machtvolle Liebe zu erspüren und ZU LEBEN! Miteinander zu SEIN, authentisch, offen, mit dem Fokus auf das, was wir wollen und wie wir es wollen – frei von Kampf und Groll. Wir sind reich geworden, reich an Erfahrung, reich an Liebesfähigkeit, reich an Frustrationstoleranz, reich an Verbundenheit. Wenn wir diesen Reichtum mit Gleichgesinnten teilen, wird er sich unweigerlich potenzieren.

In diesem Sinne, erspürt euch weiterhin, wie ihr es auch in unserer bisherigen Zusammenarbeit erfahren habt. Achten wir weiterhin auf unsere Kraft und unseren Fokus, nicht zuletzt, um unsere Tiere und auch die Wildtiere zu entlasten. Danke, dass ihr SEID, danke, dass ihr uns vertraut. Wir freuen uns auf ein weiteres erfülltes Jahr mit euch!

Eure Claudia M. Struwe und Team