Stille Nacht – Heilige Nacht ?
„Stille Nacht – Heilige Nacht“. Dieses Jahr haben viele Tierseelen ihre Körper verlassen – und für euch, ihre Menschen, wurde es still. Wo ist das Heilige in dieser eher traurigen Stille zu finden?
Auch wenn der ein oder die andere sich vorbereiten konnte, weil der geliebte Gefährte in Fell lange Zeit krank war, so ist doch der Moment, in dem die Entscheidung zum Abschied fällt, erschreckend. In eurem größten Schmerz wolltet ihr wissen, was eure Tiere brauchen, wie es IHNEN geht und ihr habt die daraus folgende Entscheidung über den eigenen Schmerz gestellt. Manche hat es sehr plötzlich erwischt mit einer tödlichen Diagnose. Und jedes Mal hörte ich denselben Satz, von tiefer Liebe erfüllt, ausgesprochen: „Er, bzw. sie hat mich ein Leben lang treu und voller Liebe begleitet. Jämmerlich zu leiden hat er/sie nicht verdient.“ Dann kommt sie. Die stille Nacht. Es folgen viele stillen Nächte und sie werden nie mehr die Nächte werden, die sie einmal waren. Sie sind nun der stillen Liebe geweiht. Heilig sind sie auch. Denn diese stillen Nächte sprechen aus, was kein Wort auszusprechen vermag. Irgendwann, je nach der jeweiligen Wesensart des Menschen, – irgendwann kommt der Moment, an dem das Geheimnis offenbar wird, an dem der Liebesfunke aus der Ewigkeit ein einziges Mal kurz aufflackert. Man traut sich gar nicht, hinzusehen vor lauter Furcht, man bilde sich das ein. Aber dann blitzt es wieder in die dunkle Nacht der Seele hinein. Und dann noch einmal und noch einmal und das kurze Aufblitzen wandelt sich in helles Leuchten. Das Gefühl der grenzenlosen Freiheit und Liebe und des unendlichen Glücks scheint uns zu erreichen aus der Ferne und unweigerlich schauen wir hoch zu den Sternen. Da. Ja, da bist du. Und die Ferne kommt näher und die Grenzen lösen sich auf und zwei Herzen pochen in einem, zwei Seelen flüstern dasselbe Lied und tanzen mit dem Mond. Dann wird es Tag in unserer Seele. Wir fühlen, es ist etwas anders. Dieser Tag ist heller, als die vielen vergangenen Tage. Das eigene Herz ist stärker geworden. Mutig schaut es der Zukunft entgegen, denn es hat nun Kraft für zwei. Diesen Zustand können wir nicht beeinflussen, wir können ihn uns nicht verdienen. Er wird uns irgendwann geschenkt.
Was wir heute feiern, ist solch ein Liebesgeschenk aus den Himmeln. Für die Christen unter uns das größte, das es je gab. Auch für Andersgläubige ist die Weih-Nacht ein Sinnbild für gelebte Freude, Licht im Dunkel, einander begegnen, beschenken, zusammen sein. Und für Viele bedeutet es Stress hoch drei. Alles soll perfekt sein. Der Tannenbaum, die Beleuchtung, die Kleidung, das Essen, die „Location“. Doch auch hier nehme ich einen Bewusstseinswandel wahr. Es wird echter, dieses Fest. Nach und nach rückt die Liebe in den Vordergrund und der Mut, ja zu sagen zu sich selbst, zu erkennen, dass man genau so gut ist, wie man ist. Mehr und mehr wächst ein Miteinander und findet seine Steigerung im Füreinander, was durchaus auch bedeuten kann, nein zu sagen, um der Echtheit willen. Menschen beschränken ihre Liebesfähigkeit nicht mehr auf die Tiere, weil sie „die besseren Menschen sind“. Sie erkennen auch in Menschen das Gute, Liebevolle und versprühen ihre innere, tiefe Freude für andere. Sei es beim Einkauf an der Kasse, bei kurzen Begegnungen auf der Straße oder bei anderen, ‘zufälligen‘ Begegnungen.
Wir tragen dieses Licht in uns und wir können es unabhängig von unserer eigenen Situation weitergeben, wenn wir uns dafür entscheiden. Heute ist so ein Tag, an dem sich viele dafür entscheiden, dies zu tun. Andere entscheiden sich, endlich dieses Licht anzunehmen. Wir müssen nicht gesund sein, nicht schön, nicht schick, nicht fröhlich, nicht schlau, nicht hochspirituell. Wir sind, wie wir sind. Unsere Tiere gehen uns mit dem besten Beispiel voraus. Sie leuchten weiter. Wenn das innere Leuchten schwächer zu werden scheint, dann leuchtet ein anderes Tier für das schwächere mit – ohne das eigene Licht zu verlieren. So, ihr Lieben, feiern wir Weihnachten. So leben wir Liebe. So wird eine stille Nacht zur Heiligen Nacht. Und wenn ihr jemanden kennt, für den diese stille Nacht noch dunkel ist, nehmt euch heute Abend eine Sekunde Zeit, schaut in die Sterne und sendet Liebe in ein Herz, das sich nach einem Lichtfunken sehnt.
In erfüllter Dankbarkeit denke ich an euch und an eure Tiere und Tierseelen und wünsche euch von ganzem Herzen eine fröhliche, selige, gnadenvolle Weihnachtszeit mit stillen, heiligen, lichtvollen Nächten.
Eure Claudia Struwe mit Team
