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Jedem Ende wohnt ein Anfang inne

Ihr Lieben, es ist Karsamstag, der 04.04.2026 und ich drücke mich seit Tagen davor, diesen Osterbrief zu schreiben. Ich weiß, dass einige von euch darauf warten und ich möchte euch nicht umsonst warten lassen. Jedoch kann ich stets nur aus meinem Herzen schreiben. Ich überlege nicht. Es schreibt aus mir heraus und ich wusste, sobald ich den Laptop aufklappen werde, werden meine Finger über die Tastatur fliegen und ich werde die Kontrolle abgeben. Den Tag über erledigte ich noch meine Büroarbeit, während Jule ständig meine Finger ableckte und penetrant versuchte meine Hände mit ihren Pfoten auf die Tastatur zu schieben. „Schreibe endlich!“ Auch jetzt liegt sie neben meinen Händen und bewacht aufmerksam, ob diese auch tun, was sie tun sollen. Also schreibe ich.

Es wird persönlich werden, traurig und schmerzhaft. Doch am Ende wird das, was ihr lest, euch freudig und lichtvoll stimmen. Viele Menschen wünschen sich seit gestern schon „Frohe Ostern!“ – so, als gäbe es den Karfreitag nicht. Wer möchte auch schon in diese Todesstimmung eintauchen. In das Leid, das dieser Auferstehung, die wir an Ostern feiern, vorausgeht. Dabei ist doch gerade jetzt die Zeit, in der wir so viel Leid überall um uns herum sehen, miterleben. Auch das Leid in uns selbst kommt in der aktuellen Zeit mehr und mehr an die Oberfläche. Es lässt sich nicht mehr verdrängen. Es will gesehen werden. Ich bin in der glücklichen Lage, ausschließlich mit Menschen in Kontakt zu sein, die sich das, was da jetzt in ihnen hochploppt, auch ansehen. Meistens tun sie das, weil mindestens eines ihrer Tiere den Anlass dazu gibt. Denn wir wissen, wenn wir etwas mit uns herumschleppen, was wir uns nicht anschauen, dann wird es unser Tier für uns tragen. Genau das hätte auch meine blinde Hündin Hannah getan. Jeder, der bisher mit mir gearbeitet hat, kennt sie. Die Hündin, die für dieses Leben die Blindheit wählte, um sich das wahre Sehen zu bewahren. Hannah war eine von drei blinden Geschwistern, die bei uns lebten. Ihr Bruder ging ihr Weihnachten 2021 voraus. Fünf Jahre später, nach über einem Jahr Krankheit, die ihr das Leben am Ende unerträglich schmerzhaft machte, war es auch für Hannah Zeit, an Abschied zu denken. Doch das Mädchen war zäh. Ihr Wille war genauso stark, wie ihre Liebe zu ihrer Familie, zu uns. Sie wusste, ihre Schwester würde ihren Tod nicht oder nur schwer verkraften. Sie wusste auch, dass in meinem eigenen „Claudia-Versum“ ein Leben ohne Hannah nicht wirklich stattfand. Seit 53 Jahren lebe ich mit Tieren zusammen und seit genau so langer Zeit kenne ich den Tod. Jedes der vielen Tiere, die an meiner Seite waren, begleitete ich bis zur letzten Minute und darüber hinaus. Jeder Tod ist individuell und so war es jetzt eine neue Erfahrung für mich, erleben zu müssen, dass sich ein Lebewesen nicht von mir trennen möchte. Sie war die Heilerin der Familie und obwohl die Katze Jule diesen Job am Ende übernommen hat, war Hannah in dem festen Glauben, dass wir definitiv nicht ohne sie klarkommen würden. Sie hätte sich geopfert. Sie hätte mit weiteren Medikamenten noch eine weitere Schleife gedreht, wie sie es zuvor schon ein paar Mal getan hatte. Doch ich wusste, nun musste ich die Entscheidung treffen, auch wenn die Hündin Hannah damit nicht einverstanden sein würde. Ihre Seele wusste es auch und stimmte zu. Aber die nicht selten sture Persönlichkeit, die Hannahs Seele 12 Jahre lang ein Zuhause gegeben hatte, wollte nicht gehen. Wen wundert’s. Sie hat ihr ganzes Leben lang ihr eigenes Ding gemacht und das ganz erfolgreich. Ich war also gefordert bis auf den tiefsten Grund meines Herzens, meiner Gefährtin in ihren letzten Minuten Stärke und Halt zu sein und sie am Ende aktiv in den Tod zu führen. Ihr Freund Simon, der im März 2024 in seine Seelenheimat gereist war und Hannahs Bruder Jack warteten bereits auf sie. Normalerweise zögern liebende Seelen nicht, ihre sterbenden Freunde abzuholen. Simon und Jack aber warteten voller Ehrfurcht vor Hannah, bis sie bereit sei, sich abholen zu lassen. Die Tierärztin konnte die finale Spritze nicht geben, weil Hannahs Herzschlag noch zu schnell war. Auch, dass ich Hannah versicherte, sie werde schon sehen, dass ich es auch ohne sie schaffe, half nicht. Immer wieder überprüfte die Tierärztin den Herzschlag und schüttelte den Kopf. Ich musste handeln. So betete ich entschlossen um die Kraft, die allein die Quelle allen Seins mir geben konnte. Sofort durchströmte mich eine unvergleichlich starke, „All – wissende“ Liebe, die sich paarte mit meinem ziemlich menschlich pfälzischem Charakter. Mit unmissverständlicher Entschlossenheit befahl ich den beiden wartenden Jungs: „Schafft euch jetzt sofort hierher und holt die Maus ab!!!“  Obwohl der gesamte Prozess im Stillen vonstatten gegangen war, überprüfte gleich danach die Tierärztin wieder Hannahs Herzschlag. Sie nickte. Hannah konnte endlich gehen.

An diesem 16. März 2026 begann für uns schon die Osterenergie zu wirken. Jesus wusste nur zu gut, warum er bei seinem letzten Treffen vor seinem körperlichen Tod seine engsten Freunde anwies, vielleicht sogar anflehte: „Wenn ich nicht mehr bei euch sein werde, bleibt unbedingt in mir, in meiner Liebe, wie ich in euch bleiben werde!“, denn so seien sie gewappnet gegen alles, was kommen möge. Genau das hat Hannah und mich durch ihren Tod getragen: Diese starke, machtvolle, essentielle Liebe, die uns alle verbindet. Hier auf der Erde und im ewigen All. Genau dieselbe Liebe war es dann auch, die mich gerade einmal zwei Tage nach Hannahs Abschied überraschte. Mich erreichte ein Notruf wegen eines Pferdes. Ich kenne den betagten Buben und nachdem seine Menschengefährtin mich gebeten hatte, nach ihm zu sehen, war das erste, was ich sah – Hannah! Wie ich nun mal so bin, wollte ich sie gleich wieder wegschicken, sie könne ja wohl noch nicht erholt sein und blablabla…. Das beeindruckte dieses allerdings mich sehr beeindruckende weise Wesen in keinster Weise. Und ja, sie wegzuschicken war ja auch eher lächerlich von mir gewesen, aber die Macht der Gewohnheit forderte eben kurz ihre Rechte. Allerdings wirklich nur sehr kurz, denn das Hannah-Wesen ging sofort in medias res, sodass ich keine Zeit hatte, über irgendetwas nachzudenken. Sie fütterte mich mit Informationen über den Patienten und blieb bei ihm, solange er sie brauchte. Das war erst der Anfang ihres Wirkens als „Hannah – Seele“. Während Simon immer dann auftaucht, wenn es für mich gefährlich oder für ihn interessant werden könnte, zeigt sich Hannah dann, wenn Menschen oder Tiere, die sie durch unsere gemeinsame Arbeit kennt, Hilfe brauchen. Unsere Beziehung hat sich verändert. Zwischen uns besteht eine Innigkeit, die nicht an persönliche Strukturen gebunden ist. Oder einfacher: Freiheit, Klarheit, Essenz. Ich bin gespannt, was ich mit diesem ‘Gespann‘ Hannah – Simon noch erleben werde!

So schwer die Minuten des Abschiedes für uns beide waren, so stark, hell, klar und mächtig ist jetzt unsere Verbundenheit und unser gemeinsames Wirken. Ihr Lieben, ich bin einfach nur dankbar, dass ich es immer wieder erleben darf. Deshalb gebe ich es auch genau so, wie ich es erlebe, an euch weiter. Vielleicht hilft euch unser Leben, unser Sterben und unser Sein zu erkennen: Jedem Ende wohnt ein Anfang inne. In diesem Sinne wünschen wir euch von Herzen ein erleichtertes Wahrnehmen dieser Liebe, die niemals endet. Und wenn es so scheint, als sei sie für euch gestorben, legt die Hand auf euer Herz und fühlt.

Frohes Osterfest wünschen euch

eure Claudia mit ihren Freunden hier bei mir und aus den Himmeln 😉

Ihr Lieben,

ihr habt lange nichts von uns gelesen. Auch im WhatsApp Status wurden wir schon vermisst. Das liegt daran, dass meine Zwillingsmädchen, Hannah und Maiina, gesundheitliche Herausforderungen haben. Um durch diese Lebensphase gut durchzukommen, brauchen sie meine verstärkte Aufmerksamkeit. Sie haben – jede auf ihre eigene Art – durch ihre Blindheit sehr sensible Antennen, sowohl für die Welt der Seelen, als auch für ihr Umfeld und für ihren Körper. Das bedeutet, dadurch, dass ihr Körper sich verändert, verändert sich ihre gesamte Orientierung in allen eben genannten Bereichen. Das wiederum heißt, sie brauchen von mir noch mehr Halt, Sicherheit, Geborgenheit, Struktur, als bisher.

Es bedeutet gleichermaßen, dass ich dadurch wieder neue Erfahrungen machen darf. Das hört auch nach 52 Jahren Leben mit Hunden nicht auf. Das Leben schubst mich regelrecht in die nächste Ebene der Erkenntnisse und feinen Sinne, der Schleier zwischen Himmel und Erde wird noch dünner. Simon, Lotte und Carlos sind von denen, die mich hier begleitet hatten und schon in unsere Seelenheimat vorausgingen, am aktivsten. Vor allem Simon ist hier sehr präsent (wen wundert’s), passt auf uns alle auf, bringt – wie gewohnt – seine Kommentare sehr deutlich zum Ausdruck, organisiert „drüben“, was so zu organisieren ist und hält sein Team am Laufen. Kein Wunder, dass er sagte, er kommt nicht mehr zurück als irgendein Tier mit Körper, der Kerl hat genug zu tun, da wo er jetzt ist. Sie lassen es nicht sein, unsere Tiere. Sie leben ihre „Auf-Gabe“; mit gesundem Körper, mit nicht mehr so gesundem Körper und ohne Körper. So stellte sich auch meine Hannah inmitten einer intensiven Schmerzphase vor mich hin mit der Botschaft: „Ich bin hier immer noch die Heilerin!“ Ich würde ihr sehr weh tun, würde ich ihr das nehmen. Ich verstehe sie nur zu gut, eine Gabe will gelebt werden.

Welche Folgen hat unsere aktuelle Lebenssituation für euch? Für euch ändert sich (fast) nichts. Schon immer begleite ich während unserer Arbeit für euch eigene kranke Tiere und meistens nicht nur eines. Das Einzige, was ich aktuell nicht planmäßig durchführen kann, sind die beiden Live-Seminare, die dieses Jahr noch stattfinden sollten. Das würde meine Mädchen zu sehr belasten. Die Kraft, ein Seminar zu begleiten, haben sie momentan nicht. Genauso wenig werde ich sie in Betreuung noch so liebevoller Hände geben, denn sie brauchen jetzt einfach nur mich.

Und nun kommt das Gute: Was ihr nicht geschafft habt mit vorsichtigem und auch manchmal nachdrücklicherem Bitten, ich möge doch auch Online-Seminare und Workshops anbieten, naja, das schafft nun das Leben. Es ist nicht sehr lange her, das sagte ich zu einer Freundin: „Ich werde nicht in ein Loch (Kamera) glotzen und mir vorstellen, da sitzt ein Mensch drin!“, als wir über Online-Aktivitäten sprachen. Ok, ich mach’s. Es gibt Prozesse, die können – dieser Meinung bin ich auch jetzt noch – ausschließlich Live stattfinden. Aber ich habe so viele Informationen für euch, für euer Leben mit euren Tieren, das kann ich durchaus auch online vermitteln. Es hat tatsächlich, auch das sehe ich inzwischen ein, den Vorteil, dass ich die Botschaften der Tierwelt an sehr viel mehr Menschen weitergeben kann. Demzufolge werdet ihr im Dezember meinen Seminarplan für 2026 erhalten. Es wird eine gut durchdachte Mischung aus Online-, Live-Online und Live-Seminaren sein.

Ihr dürft euch jetzt noch Themen wünschen. Wenn ihr besondere Themen oder Fragen habt oder auch eure Kinder, schreibt mir gerne per E-Mail.

Am 9.11.2025  11h – ca. 12.30h wird unser erstes Online-Treffen stattfinden: Update der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops „Heilsames Sein und Handeln – Energiearbeit für Lebewesen“ Level 1. Hier könnt ihr eure bisherigen Erfahrungen austauschen, Fragen stellen, Themen wünschen für Level 2 und euch wiedersehen. (Kosten 18€)

Eine weitere Neuerung ist das Versenden eines Newsletters. Wer diesen erhalten möchte, sende mir bitte ebenfalls eine kurze E-Mail.

Ihr Lieben, jetzt seid ihr auf aktuellem Stand. Ich weiß, ihr versteht die Planänderung der Live-Seminare. Ich wäre eine schlechte Hundemama und auch Tierkommunikatorin, würde ich nicht den gesundheitlichen Zustand der Mädchen über meine Seminarplanung stellen. Aber, wie ihr seht, hat das Ganze, wie immer im Leben, auch etwas Gutes. Ich werde künftig auch „in ein Loch glotzen“ und mir vorstellen, ihr sitzt da drin 😉

 

Das war’s erstmal für heute, ich sende euch herzliche, lichtvolle, liebevolle Grüße,

eure Claudia Struwe mit dem gesamten Team aus allen Ebenen

 

 

 

RESPEKT VOR GEFÜHLEN

Als du bei uns ankamst, zeigte schon die Ouvertüre, mit der du vor neun Jahren das Konzert deiner Gefühle eröffnet hattest, was auf uns alle zukommen wird. Es waren nicht nur deine verzweifelten Schreie, die um 24h die Nacht erfüllten, als die Tierschützerin dich vor unserer Haustür aus dem Auto hob. Du zeigtest auch eine komplette Verwirrung deiner Gefühle, als du deine Zwillingsschwester Hannah, die du ein Jahr lang schmerzlich vermisst hattest, wahrnahmst. Hätten wir dich gelassen, hättest du sie in deiner blinden, verzweifelten Überforderung mit den auf dich einprallenden Sinneseindrücken und deinen damit verbundenen Emotionen aufs Schärfste angegriffen. Es war sofort klar, dass wir alle sehr viel Energie, Zeit und vor allem Liebe und Klarheit aufbringen werden, um für dich und uns ein angenehmes Leben zu erschaffen. Es war ein langer, langer Weg, mein Mädchen, der sowohl Irrwege beinhaltete, als auch zermürbende Ratlosigkeit. Wir alle sind diesen Weg gegangen, – wir mit dir, du mit uns. Aus tiefstem Herzen dankbar bin ich dir für diese Reise in die versteckten, dunklen Pfade deiner Seele, die sich – wie kann es anders sein – in den vergangenen neun Jahren als unverzichtbare Anteile meines eigenen Lebensweges zu erkennen gaben.

Ein kleines Beispiel des gestrigen Tages dafür, wo wir heute stehen, möchte ich für dich und mich und für Menschen, die mit ihrem Tier vor einem scheinbar unlösbaren Rätsel stehen, heute rekapitulieren. In unserer Mittagspause machten wir beide uns auf den Waldweg hinter unserem Häuschen. Ursprünglich hatte ich vor, dich ein paar von den kleinen Leckereien, die ich für diesen Zweck mitgenommen hatte, suchen zu lassen. Doch schon nach den ersten Metern hautest du abrupt die Bremse rein. Mitten auf dem Weg bliebst du sitzen wie ein Fels. Urplötzlich warst du in einer inneren Leere gelandet, die es dir unmöglich machte, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Leider hat das Leben dich nicht nur mit augenlosen Augenhöhlen ausgestattet, sondern auch mit den Genen eines Meutejagdhundes. So wurde in den Zeiten vor deiner enormen seelischen Entwicklung ausgenommen jeder Spaziergang zu einer Odyssee für dich und mich. Denn wir leben im Wald und die Gerüche der Wildtiere ließen bei jedem Schritt dein Gehirn Samba tanzen. Gestern aber hatte sich gezeigt, wie reif dein Gehirn und deine Seele heute sind. Du ließest zu, dass ich deine innere Leere wahrnehme. Alleine das war ein großer Fortschritt. Was hatte ich nun zu tun? Anders gefragt, was hätte ich getan, wäre mir der Grund und dein Zustand nicht bewusst, hätte ich ihn nicht in mir selbst nachfühlen können? Ich hätte dich wahrscheinlich versucht, mit den Leckereien zum Weiterlaufen zu animieren. An dieser Stelle sei nebenbei erwähnt: Dass „einfach Weiterlaufen und den Hund mitziehen“ und diverse andere Ratschläge, die einem Hundehalter in solchen Fällen gegeben werden, sich hier als kontraproduktiv und entwürdigend erweisen, erklärt sich von selbst. Aber zurück zu dir und mir und gestern: Du saßest wie ein Fels, ließest mich deine innere Leere wahrnehmen. Dann fühlte ich, dass du gerade ein Gefühl in dir wahrnahmst, welches du nicht einordnen konntest. Während ich gut geerdet und gelassen bei mir blieb, schuf ich für dich mental einen geschützten Raum. Nun führte ich dich behutsam in deinen inneren Raum hinein, damit du den Gedanken finden konntest, der dieses für dich undefinierbare Gefühl ausgelöst hatte. Endlich, nach einigen Minuten, konntest du ihn erkennen. In Menschensprache würde er ungefähr so lauten: „Ich bin tief in mir drin traurig, weil ich nicht sehe, was ich rieche.“ Wow!! Mein Schatz, welch eine Entwicklung! Statt voller Wut in den Wald zu kreischen: „Kommt alle her, ich töte euch, bevor ihr mich tötet!!!“, stellst du dich dem Gefühl dahinter: Traurigkeit. So verweilten wir beide ruhig nebeneinander. Du lebtest deine Traurigkeit und ich hielt den schützenden Raum für dich aufrecht. Ich fühlte deine Traurigkeit mit ohne die geringste Spur von Mitleid. Denn auch das wäre eine respektlose Reaktion. „Ja, mein Schatz. So ist das. Du riechst die Tiere und du siehst sie nicht. Und nein, das ist nicht nur schlimm, das ist absolute Oberscheiße! So ist das und das können wir nicht ändern. Lass dir Zeit für dein Traurigsein.“

Warum konnte ich an dieser Stelle so mit dir reden? Weil du in den vergangenen Jahren durch unsere gemeinsame innere Arbeit erkannt hast, dass du genau wie du bist, ein toller Hund bist. Du bist dir deiner Ressourcen und Persönlichkeit bewusst. Du weißt, dass du von uns in der Familie geachtet und geliebt bist. Und du weißt, dass du als Coaching-Assistentin einen hervorragenden Job machst. Ein paar wenige private Menschenfreunde hast du auch. Aber gestern warst du eben in diesem einen Moment traurig. Es tat dir gut, dass ich dein Gefühl ernst nahm, bestätigte und vor allem, dass ich dein Halt war. Wir hatten uns klar dafür entschieden, dass du jetzt traurig bist. Punkt. Nach einer Weile wurde dein Körper weich. „Bin fertig mit traurig. Lass uns nach Hause gehen.“, wären in etwa deine Worte gewesen, wärest du ein Menschenkind. Ich musste mich sehr zusammenreißen, um nicht schallend zu lachen. Aber ich gebe zu, dass ein Lächeln durch mein Herz huschte, was dir natürlich nicht verborgen blieb. Den Rest des Tages verbrachtest du schlafend. Das war eine riesengroßer Schritt, den du da gemacht hast und kostet sehr viel Energie. Essen, Trinken, Schlafen, Speichern…..das war jetzt dran.

Du wirst – je nach körperlicher und mentaler Verfassung und den äußeren Umständen – ganz sicher wieder deine Traurigkeit in der alten Form der Wut ausleben, da mache ich mir keine Illusionen. Das ist aber auch vollkommen unwichtig. Wichtig für dich ist, dass du dir selbst wieder ein Stückweit nähergekommen bist. Das ist, was zählt, mein nicht mehr immer lautes Mädchen mit dem zarten Herzen. Danke, dass du bei uns bist.

 

Claudia M. Struwe